Stellungnahme kurdischsprachiger Anarchist*innen zur Gründung der Föderation der Anarchistischen Ära

An die anarchistischen Genoss*innen weltweit. Wir grüßen euch.

Vor einiger Zeit hat die Anarchistische Ära eine Erklärung herausgegeben, in der die Gründung einer Föderation der Anarchistischen Ära bekannt gegeben wurde. Dem Titel und Inhalt dieser Erklärung nach, sei diese Gründung notwendig, um alle einzelnen Anarchist*innen auf der ganzen Welt unabhängig von “Rasse” und Geburtsort den Beitritt zu der Föderation zu ermöglichen.

Als Gruppe von kurdischsprachigen Anarchist*innen und Libertären innerhalb und außerhalb des Irak, freuen wir uns immer über Nachrichten von revolutionären Initiativen und Aktivitäten rund um den Globus. Wir sind auch froh über jegliche anti-staatliche und anti-kapitalistische Aktion und wir sehen uns nicht abgeschottet oder außerhalb einer weltweiten Bewegung, sowie von Aktivitäten gegen Autorität, gegen Hierarchie und gegen das kapitalistische System bzw. Gesellschaft.

Doch die Erklärung der sogenannten Föderation der Anarchistischen Ära, welche beabsichtigt eine internationale Föderation zu werden, wirft mehr Fragen auf als sie Antworten bietet.

Die Absicht unserer Erklärung ist es nicht, diese Erklärung im Detail zu bewerten oder alle Punkte unserer Kritik und Meinungsverschiedenheiten hervorzuheben oder auszuführen. Hier also nur einige Punkte, die wir als wichtig und offensichtlich erachten:

– Kein revolutionäres Organ des Klassenkampfes würde jemals seine eigene Existenz ankündigen, bevor seine eigentliche Geburt tatsächlich stattgefunden hat. Vor allem eine Körperschaft, welche sich selbst einen derart großen Status verleiht, wie eine internationale Föderation. Leider werden in der Erklärung nicht alle Gründungsprozesse erwähnt und keine konkrete Information gegeben über alle Fraktionen, die angeblich integraler Bestandteil dieser Föderation sind.

– Als einziges ist in dieser Erklärung das Vorhandensein mehrerer vorheriger Versuche durch Hinweis auf diese erkennbar. Diese vorherigen Versionen erscheinen wie die erstmalige Absicht mit dem Ziel der endgültigen Erklärung und verweisen darauf, dass diese Entscheidung von ein oder mehreren Einzelpersonen getroffen wurde.

– Die Erklärung klärt auf keine Weise ihr Verhältnis zur Internationale der Anarchistischen Föderationen [IAF-IFA], welche 1968 gegründet wurde und der die meisten anarchistischen Föderationen weltweit angehören, welche weiterhin besteht, aktiv ist und wächst. Wir glauben, dass der Grund für die Nichterwähnung der IFA damit zu tun hat, dass entweder abweichende Vorstellungen bestehen oder es darum geht sich abzugrenzen. Entweder um das Vorhandenseins der IFA zu ignorieren oder um die IFA und andere aus der Bewegung der internationalen anarchistischen Föderationen abzulehnen.

– Die Entscheidung zur Ankündigung einer internationalen Föderation erfolgte auf bürokratische, sektiererische und einseitige Weise, was auf die Übernahme von Militanz und voluntaristischen Vorschriften hinweist. Dies steht im kompletten Widerspruch zu den Grundsätzen des historischen Ansatz des Anarchismus, welche auf die umfassende Anerkennung des praktischen und spontanen Aufkommens wirklicher Aktionen und aktiver Teile innerhalb des sozialen Kampfes bauen, aber nicht den Prinzipien von ideologischem Willen und Absichten. Dieser Punkt wird dadurch verdeutlicht, dass die Erklärung überhaupt keinen Bezug herstellt zu den unmenschlichen, lebensfeindlichen und widernatürlichen Wurzeln der Klassenherrschaft, also der hierarchischen Struktur des kapitalistischen Systems. Es wird nur kurz und vage “der Sturz der kapitalistischen und religiösen Regierungen!” angedeutet, als ob es beim menschlichen Streben nach Emanzipation um eine politische Revolution gehen würde und nicht um eine soziale und globale Revolution.

– In den früheren Versionen dieser Erklärung wird noch der bewaffnete Kampf erwähnt, doch in der Endfassung wurde dieser ohne eine Erklärung oder Begründung für den Wegfall entfernt. Darüber hinaus kann sich diese Ankündigung durch eine mangelnde Erläuterung ihrer Ablehnung von “pazifistischen” Richtungen – das übliche Vorgehen von militanten Gruppen und Strömungen – ebenso auf “Gewaltfreie”, wie auf schlichtende “Friedensstifter*innen” beziehen. Dies zeigt, dass eine extremistische Ideologie vertreten wird, die weit entfernt ist von einem globalen Verständnis von Klasse, sowie von den wichtigsten Grundlagen und Bedürfnissen einer emanzipatorischen Revolution der ausgebeuteten Klasse. Folglich müssen wir den Autor*innen dieser Erklärung die Frage stellen: Nach welchen Maßstäben können Anarchist*innen, welche gegen Gewalt sind, als “Pazifist*innen” bezeichnet werden?

– Es sollte erwähnt werden, dass die Erklärung mit ihrer Ausrichtung auf den bewaffneten Kampf und die Methode des bewaffneten Aufstands sich an den Praktiken der Aufstandsarmee Machnowtschina orientiert. Dies ist jedoch ein Missverständnis des Wesens der Machno-Bewegung, die eigentlich ein sozialer Aufstand von Arbeiter*innen und Bäuer*innen durch kooperative Kommunen war. Das MIssverständnis besteht nun darin, die Gründe für diese Bewegung nicht zu beachten, nämlich als eine bewaffnete Organisation zur Selbstverteidigung gegen die deutschen und österreichischen Truppen, sowie gegen die Weiße und die Rote Armee samt deren Milizen. Es war jedoch nicht die Absicht der Machnowtschina, die gesellschaftlichen Kämpfe durch bewaffnete Aktionen oder militante Armeeverbände zu ersetzen.

– Bezeichnend ist das Thema der einseitigen, verallgemeinernden, zentralistischen und autoritären Praxis, welche in deren Beschlussfindung erkennbar wird. Denn die Sache wurde beschlossen, ohne andere anarchistische Individuen oder Gruppen beratend hinzu zu ziehen oder zu kontaktieren. Die Autor*innen dieser Erklärung benutzen dafür ganz offen die Formulierung “Anarchist*innen in Libanon, Chile, Spanien, Irak und der Region Kurdistan”. Und dieser geographischen Bezeichnung zufolge, soll daran erkennbar sein, dass sie im Namen von und für alle Anarchist*innen sprechen, die in diesen Ländern leben. Also stellt sich allen Anarchist*innen, die in den erwähnten Ländern leben, die Frage: Stimmen alle Anarchist*innen dieser Ländern überein und teilen sie die gleichen Ansichten, welche von der Föderation mit ihrer Erklärung vertreten werden?

– Wir überlassen es den Genoss*innen, welche in diesen Ländern leben, auf diese Frage zu antworten. Was die “Region Irak und Kurdistan” angeht, so kennen wir trotz gründlicher Nachforschungen keine einzige Person von praktischer und gesellschaftlich aktiver Bedeutung, die mit dieser Erklärung einverstanden wäre. Daher werden wir als kurdischsprachige Anarchist*innen und Liberäre, sowohl im Forum Kurdischsprachiger Anarchistist*innen, wie auch im lokalen Forum der Anarchist*innen in Sulaimaniyya/Irak, nicht reinfallen auf jede Form von zentralistischen, hierarchischen, politischen und bewaffneten Aktionen. Wir glauben an die soziale und autonome Organisation des gesellschaftlichen Kampfes, der Revolution und der selbstverwalteten Gesellschaft.

– Aus den oben genannten Gründen unterstützen wir als Gruppe kurdischsprachiger Anarchist*innen und Libertärer, innerhalb und außerhalb des Gebietes der “Region Irak und Kurdistan”, diese Erklärung nicht. Wir wurden über den Entstehungsprozess dieser Erklärung und die Gründung dieser Föderation nicht informiert. Daraus folgt, ohne zu sehr ins Detail zu gehen und unsere grundlegenden Differenzen dazu auszubreiten,dass wir solche Art von Initiativen als sektiererisch betrachten und diese im Widerspruch zu dem sehen, was bis heute auf historischer Grundlage als anarchistische Bewegung bezeichnet wird.

Kurdischsprachige Anarchist*innen:

– Libertäres Gespräch (wöchentliche Internetdiskussion)

https://www.facebook.com/groups/AZADIXUAZAN

– Anarchistisches Forum in Sulaimaniyya/Irak

https://www.facebook.com/Sulaimanyah.Anarchist.Forum

Forum Kurdischsprachiger Anarchist*innen

https://www.anarkistan.net

(28. November 2020)

Ein Link zur Erklärung der Föderation der Anarchistischen Ära [bei der IFA]:
https://www.facebook.com/InternationalOfAnarchistFederations/posts/1471425486401105

Quellen:
https://anarkistan.net/2020/12/07/clarification-of-a-group-of-kurdish-speaking-anarchists-to-the-announcement-of-the-anarchism-era-federation/,

https://anarkistan.net/2020/12/07/clarification-dun-groupe-danarchistes-kurdophone-a-lannonce-de-la-federation-de-lere-de-lanarchisme/

Übersetzung:

Anarchistisches Forum Köln, https://anarchistischesforumkoeln.blackblogs.org/

Wir haben heute die ehemalige iranische Botschaft in Bonn besetzt!

Wir haben heute die ehemalige iranische Botschaft in Bonn besetzt!

Diese Aktion soll ein Zeichen für Solidarität mit den emanzipatorischen
Protesten im Iran setzen und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, der
neoliberalen Stadtpolitik in Bonn einen nicht-kommerziellen Raum der
Begegnung und der Selbstverwaltung entgegenzusetzen.

Seit Monaten sind die Menschen im Iran wieder auf der Straße, um ein
weiteres Mal gegen das iranische Regime zu protestieren. Sie tun dies
trotz des Risikos auf Gefängnisstrafen, Folter oder Ermordung. Die
Bandbreite der Gründe umfasst Kämpfe für gerechte Arbeitsverhältnisse,
für die Freiheit von politischen Gefangenen, außerdem die Forderung nach
geringeren Lebensmittelpreisen, Heizkosten und Mieten. Die Forderungen
nach Veränderungen reichen von einer Demokratie nach westlichem Vorbild
bis hin zu einer nicht kapitalistischen Gesellschaft.
Neben den progressiven Kräften beteiligen sich aber auch reaktionäre
Interessensgruppen an den Protesten. So finden sich auch Anhänger*innen
des Schahs darunter, die darauf hoffen, dass die aktuellen Machthaber
durch ein anderes, autoritäres Regime ersetzt werden.

Das iranische Regime geht entschlossen gegen die Protestierenden vor:
Laut der iranischen Regierung wurden seit Beginn der Proteste 3500
Regierungsgegner*innen eingesperrt. 50 mussten ihren Widerstand sogar
mit dem Leben bezahlen. Aktivist*innen gehen von deutlich höheren Zahlen
aus.

Wir haben Ort und Zeit bewusst gewählt, um uns am internationalen
Frauenkampftag mit kämpfenden Frauen weltweit solidarisch zu zeigen.
Eine lebenswerte Welt können wir uns nur im Sinne der radikalen
Gleichberechtigung von allen Geschlechtern vorstellen. Die Besetzung der
iranischen Botschaft soll als solidarischer Gruß an die mutigen Frauen
im Iran gesendet werden, die sich gegen das repressive und patriarchale
Regime auflehnen.Vor allem sie haben unter dem aufgezwungenen
Sittendiktat der iranischen Despoten zu leiden. Ihnen geht es u.a. darum
die sozialen Restriktionen wie den Zwang zum Tragen des Kopftuches im
öffentlichen Raum aufzuheben. Sie fordern die selbstbestimmte
Entscheidung darüber, ob Frauen ein Hijab tragen möchten und dies als
Teil ihrer Identität verstehen oder nicht.

Wir sind darüber hinaus ein Zusammenschluss verschiedener Menschen, die
sich mit dem Thema Recht auf Stadt und Stadtentwicklung von unten
auseinandersetzen. Wir sehen, dass sich in Bonn gerade eine Menge
verändert und dass dies nicht unbedingt zugunsten der Bürger und
Bürgerinnen geschieht. Das lässt sich an den verschiedenen Initiativen
erkennen, die versuchen, ihrem Willen eine Stimme zu verleihen, so wie
„Viva Viktoria“ im Viktoria Viertel, „Kurfürstenbad bleibt“/“Frankenbad
bleibt“ in Bezug auf das geplante Zentralbad und vielen anderen.
Zusätzlich steigen die Mieten stetig und die Leerstände werden immer
mehr.
Mit Sorge sehen wir die Entwicklungen, in denen wir zu erkennen glauben,
dass Bonn im Stile einer neoliberalen Politik zusehends
einkommensschwächere Menschen verdrängt, das Stadtbild mit
Einzelhandelsketten und Großunternehmensbüros vereinheitlicht und
anonymisiert.
Um gegen diesen Prozess zu protestieren und ihm etwas entgegenzusetzen,
haben wir besagtes Gebäude bezogen. Hier werden wir in der nächsten Zeit
ein kulturelles Zentrum eröffnen, in dem Menschen die Möglichkeit
gegeben werden soll, sich selbstständig zu organisieren, zu begegnen und
auszutauschen. Weil es kaum Orte in Bonn gibt, an denen Menschen sich
aufhalten können, ohne Eintritt bezahlen oder etwas kaufen zu müssen,
wollen wir einen Raum eröffnen, an dem dies möglich ist. Weil wir einen
solchen Ort des freien Austauschs für wichtig halten, haben wir diesen
ohnehin leerstehenden Ort bezogen, um ihn mit Leben zu füllen.

In der nächsten Zeit werden wir diesen Raum nutzen, um uns über
emanzipatorische Kämpfe weltweit und vor allem im Iran auszutauschen und
zugleich Impulse für eine gerechtere Stadtentwicklung zu setzen.

Wir haben vor, hier das Institut für Anarchismusforschung zu etablieren.
Als Agentur gegen Arbeit geht es uns darum, eine radikale Kritik an den
bestehenden Verhältnissen zu entwicklen, in denen Menschen nicht nur
unter autokratischen Regimes wie dem Iran, sondern auch unter
kapitalistischen Disziplinierungen, wie dem Leistungszwang und
Konformismus leiden.

Interessierte sind herzlich eingeladen vorbei zu kommen, sich mit uns zu
unterhalten und dabei zu sein wie dem alten Gebäude neues Leben
eingehaucht wird!

Unter folgenden Links sollten innerhalb der nächsten Stunde Fotos der
Aktion heruntergeladen werden:
www.facebook.com/Institut-für-Anarchismusforschung-Agentur-gegen-Arbeit
twitter.com/IFA_AGA

Was steckt hinter den Parolen?

Was steckt hinter den Parolen?

Die Frauen* im Iran waren bislang – wie üblich in der Welt – Teil von
Protestbewegungen.
Was hören wir heute von ihnen? Nichts bis wenig.
Gibt es spezifische Forderungen von und für Frauen*? nein
Gibt es geschlechtsbezogene Parolen? Ja, von Männern* bzw. aus
patriarchaler Perspektive und entsprechend sexistisch/ frauenfeindlich.

Das iranische Regime ist extrem rassistisch und in den Forderungen
widerspenstiger Gruppen tauchen Geflüchtete und vermeintlich
ausländische Menschen nicht auf. Rassismus gegenüber Afghanischen
Menschen kann das beispielhaft belegen. Diese Bevölkerungsgruppe ist
besonders bedroht von Abschiebung. Dokumente werden verweigert und
afghanische Männer werden gezielt nach Syrien geschickt, um dort für
iranische Interessen zu sterben. Als Lohn wird ihr Aufenthalt im Iran
verlängert, bzw. der ihrer Familien in Aussicht gestellt. Das Kind eines
afghanischen Mannes und einer iranischen Frau kann potentiell
abgeschoben werden, da die Nationalität vom Vater kommt. In der
Gesellschaft setzt sich dieser Rassismus fort, indem Kaufleute
afghanischen Menschen ihre Waren, seien es Wohnungen, Autos oder
anderes, verweigern.

Eine inner-iranische Protestbewegung, die diese Zustände ignoriert, wird
dies auch in einem angeblich reformierten Iran tun. Ohne die Solidarität
zwischen Iraner_innen und Afghan_innen fehlt dem Aufstand die
revolutionäre Basis.

Was wollen die Leute?

„Brot, Arbeit, Freiheit“ als Basisparole wurde schon vernommen. Welche
Freiheit ist aber gemeint? Zumindest nicht die
utopische, welche die Aufhebung jeglicher Herrschaftsverhältnisse
verlangt. Die Forderung nach Freiheit ist eine reformerische, keine
revolutionäre. Dennoch stellt sich Frage, warum die Menschen riskieren,
gefoltert und ermordet zu werden?
Sie leben in der Situation eines würdelosen Lebens, denn das Regime
lässt kein würdevolles Leben zu: Schikane, Drangsalierungen, völliges
Ausgeliefert-sein gegenüber autoritärer und mit brutaler Gewalt
durchgesetzter Reglementierungen jeder Lebensregung bilden seit
Jahrzehnten den Alltag. Nur eine winzig kleine Gruppe – die Superreichen
– können sich erlauben, was sie wollen, es wird geduldet, solange nicht
politisch und auf keinen Fall mit den Menschen solidarisch ist.

Der Iran als Regionalmacht hat große geopolitische Macht und vielfältige
Konflikte mit anderen Mächten. Der Friede nach Innen spielt deshalb eine
besonders wichtige Rolle, bzw. dieser wird auch mit der Konstruktion
eines äußeren Feindes verordnet. So fordert das Regime sein Volk auf,
Bollwerk gegen die USA, Israel und Saudi Arabien zu sein. Wer gegen das
Regime ist, ist automatische eine Vollstreckerin feindlicher Interessen.

Die Analyse von Protesten kann zwar nicht im kontextlosen Raum
geschehen, aber eine zwanghafte Einordnung in geopolitische Strategien
nimmt den Protestierenden jede Selbstbestimmung. Der Kapitalismus ordnet
weltweit an, das Kapital sei wichtiger als der Mensch, und wir weigern
uns, in diesen Choral einzustimmen. Die geopolitischen Interessen von
Putin, Trump, Merkel, Saudischem Königshaus oder iranischen Mullahs
sollen uns nicht von den Inhalten der Proteste ablenken und die
Protestierenden wollen wir nicht geostrategisch instrumentalisieren.
Wir möchten uns weigern, den Protest im Iran geopolitisch gegen die
einen und für die anderen zu bewerten, denn Geopolitik ist die
Akkumulation von Macht und niemals mit echter Freiheit und Emanzipation
vereinbar.

Dennoch ein Einwand: Die Proteste WERDEN instrumentalisiert: vom Regime,
dass ausländisches Einmischen unterstellt; vom Ausland, dass sich bigott
auf die Seite der Protestierenden stellt. Und dieses Aufwiegeln der
Menschen untereinander dürfen wir uns nicht gefallen lassen! Auf den
Straßen des Iran rufen die einen „Nieder mit dem Regime“ und die anderen
„Nieder mit den USA“. Wir müssen uns mit unseren gemeinsamen Problemen
beschäftigen und der Frage, wie wir sie zu lösen glauben können. Diese
zentralen wichtigen Fragen unseres Alltagslebens sind unsere
Angelegenheit und die Anrufung eines Regimes beantwortet sie nicht! Wenn
wir uns für geopolitische Seiten instrumentalisieren lassen,
manifestieren wir die Risse, die leider zwischen uns HERRSCHEN. In
diesem Falle opfern wir die eine oder andere Seite auch der Rache, der
Repression.

Warum sind „wir“ nun solidarisch und mit wem?

Wir stehen auf der Seite der Menschen, die gegen Repression und
Ausbeutung kämpfen, die versuchen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Wir
möchten Einfluss nehmen, wenn Menschen die Mächtigen und die Staaten
herausfordern, wir möchten mitmischen, damit die Macht nicht lediglich
ausgetauscht, sondern aufgelöst wird. Wir fordern keine besseren
Staaten, sondern gar keine. Wir wollen Proteste radikalisieren, damit
die Menschen tatsächlich bekommen, was sie und wir fordern, denn in
vielen Forderungen sehen wir Schwachstellen, die uns nicht
weiterbringen. So finden wir die Forderung absurd, die Mullahs durch die
Volksmujaheddin oder den Schah oder Kaiser, König zu ersetzen. Dann ist
weiterhin eine Elite da – und die Haufen der Diskriminierten bleiben uns
auch erhalten. Dafür lohnt es sich nicht zu sterben oder gefoltert zu
werden.

Wir sind mit dem jetzigen Regime im Iran nicht einverstanden, also darin
irgendwie uns einig. Wäre es nun weg, was wollten wir dann? Der Ruf nach
einem neuen Regime, zB unter dem Schah, bedeutet in unseren Augen, die
Verantwortung für unseren Alltag, unser Leben wieder abzugeben. Es
bedeutet, dass neue Gruppen definiert werden, die nicht ok sind, dass
überlegt wird, für wen etwas getan wird und für wen nicht, und dies
alles in der Logik der Macht, also des Kapitals – und eben nicht im
Sinne der Menschen, egal welche Herkunft, Gesellschaftsstatus und
Geschlecht.

Wir möchten eine Alternative, die nicht dieser Logik folgt. Wir wollen
Selbstbestimmung und Selbstorganisation, wir wollen eine Gesellschaft,
deren Individuen sich miteinander auseinandersetzen und gemeinsame
Lösungen finden. Wir glauben nicht an eine Elite, die das für uns machen
könnte oder würde, und die Geschichte gibt uns recht. Das weltweite
Gefüge von Macht ließe es nicht zu, echte Veränderungen zu fordern, zu
viele Interessen gibt es, die Menschen in Unfreiheit zu lassen und ihre
Arbeitskraft auszubeuten.

Wir möchten die Rufe nach Demokratie als Ausdruck des Wunsches nach
Freiheit ernst nehmen, und auf mehr hoffen als eine Demokratie nach
westlichem Vorbild. Direkte Demokratie ist für uns eine Möglichkeit des
gemeinsamen Entscheidens unter der Voraussetzung, dass das Land denen
gehört, die es bearbeiten und die Fabriken denen, die drin arbeiten. So
haben wir die Mittel uns gegen Kapitalinteressen zu schützen und einen
würdevollen Lebensstandard zu erreichen. In basisdemokratischen
Diskussionen kann auch neu verhandelt werden, mit welchem Blick wir auf
die Themen Migration, Geschlechterrollen, Bestrafung und Normen, aber
auch Umwelt, Vernetzung und Gesundheitsversorgung umgehen wollen. All
das interessiert weder Diktaturen noch Demokratien oder Sozialismen auf
dieser Welt! Wir sollten uns vertrauen, dass wir das regeln können!

Wie könnten die Proteste Emanzipation bewirken?

Festhalten sollten wir die Bandbreite der Proteste und Forderungen:
Arbeitskämpfe, Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften, Forderungen
für politische Gefangenen, Forderung nach geringeren
Lebensmittelpreisen, Heizkosten, Mieten, Rufe nach Wiedereinsetzung des
Schah, bzw. dessen Sohn, Forderung nach einer Reform der religiösen
Herrschaft, ein vager Ruf nach Freiheit. Das ist ein bunter Haufen von
Widersprüchen, und einige Forderungen früherer Proteste fehlen oder sind
in ihr Gegenteil verkehrt. Unser Eindruck ist, dass die Menschen sich
keine Alternative zu Herrschaftsverhältnissen sich vorstellen können.
Sie fragen sich, was sie machen sollen, wenn das jetzige Regime weg
wäre. Eine anarchistische Perspektive wird dabei als Chaos gesehen und
die Menschen flüchten lieber in etwas, was sie schon kennen und legen
damit das Fundament reformerischen Denkens. Sie möchten die Systeme
tauschen und machen sich nicht klar, dass damit keineswegs eine
Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse eintritt.

Da möchten wir in die Diskussion mit kritischen Fragen einsteigen. Denn
wohin wollen wir und wie ist das umsetzbar? Was sagt der Sohn des Shahs
heute und gestern zu den Toten und Verhafteten? Was will jemand mit
einem Thronhocker, der nichts sagt zu Tot und Verfolgung? Für wen soll
der denn etwas verbessern?

Eine alte iranische Parole „Arbeiter* – Lehrer*- Studierende:
solidarisiert euch“ ist auch zu vernehmen, die die Wichtigkeit des
Zusammendenkens verschiedenster Forderungen meint.

Einige Anarchist*innen

Nein zum Krieg, Nein zu Diktator*innen und Staaten, Nein zu Unternehmen, Nein zu Religionen, Nein zum Nationalismus!

Nein zum Krieg,
Nein zu Diktator*innen und Staaten,
Nein zu Unternehmen,
Nein zu Religionen,
Nein zum Nationalismus!

Liebe anarchistische Genoss*innen, egal wo ihr seid,

wir Anarchist*innen erklären, dass wir gegen Krieg, Militärangriffe und
Milizen sind. Wir lehnen das Töten von Zivilist*innen und die Angriffe
auf Dörfer, Gemeinden und Städte ab, bei denen unschuldige Menschen
getötet und ihre Wohnorte beschädigt und zerstört werden.

Wir glauben nicht, dass Staaten oder irgendeine Gruppe das Recht hat
jemand anderen anzugreifen aufgrund von Religion, Nationalität,
Landstreitigkeiten usw. Wir sind überzeugt, dass ungeachtet ihrer
Rechtfertigung, diese Angriffe und Kriegstreiberei bloß ein Angriff auf
Freiheit und Menschlichkeit sind.

Unsere Haltung und unser Standpunkt gegen den aktuellen Krieg, den der
Türkische Staat gegen Afrin und das übrige Rojava samt seiner
Bürger*innen begonnen hat, ist nicht darin begründet, dass wir kurdisch
oder kurdisch-sprechend sind. Wir sind aus Prinzip gegen alle Kriege an
allen Enden der Welt.

Wir halten fest an unseren anarchistischen Grundsätzen egal wer solch
einen Krieg beginnt. Wir vertreten die gleiche Einstellung und die
gleichen Prinzipien sogar auch wenn Kurd*innen einen Krieg führen, um
die Freiheit, Kultur und Gesellschaft irgendeiner Ethnie oder Gruppe
anzugreifen. Unsere Haltung gegen den Türkischen Staat bei seinem
Angriff auf Rojava nehmen wir von diesem Standpunkt aus ein – nicht mehr
und nicht weniger. Wir sind gegen Krieg, gegen den Staat, gegen jede Art
von Vorherrschaft, Klassenspaltung und gegen das kapitalistische System.

Angesichts dessen lehnen wir jede Art von Krieg ab, egal ob er vom
Türkischen Staat gegen Rojava geführt wird oder von einem anderen Staat
gegen eine andere Nation oder Gruppe irgendwo anders auf dem Globus.

Wir glauben, dass wir gegen den Krieg sein und ihn verurteilen, sowie
alle möglichen Kampagnen gegen die Verherrlichung des Krieges und gegen
Kriegstreiberei führen sollten. Es ist unsere Pflicht die Menschen mehr
darauf aufmerksam zu machen, dass Krieg mehr Gewinne und Vorteile für
die Unternehmen bedeutet, besonders im militärischen Bereich.
Gleichzeitig verursacht er weitere Armut, mehr Elend, Vertreibung und
Verlust unserer Liebsten. Aber er bringt auch steigende Preise,
Obdachlosigkeit, Erwerbslosigkeit, Zeströrung unserer Ortschaften und
unseres Klimas, sowie eine allgemeine Spaltung hervor.

Wir klagen alle Fernsehstationen und die sozialen Medien in der Region
an, dass sie seit dem Beginn der aggressiven Angriffe versucht haben,
die Rechte der Menschen in Afrin und Rojava zu leugnen und deren
berechtigte Verteidigung nicht anzuerkennen. Sie versuchen die Menschen
zu täuschen und versuchen sie mit verschiedenen Begründungen zur
Unterstützung des Türkischen Staates zu bewegen indem sie ihnen falsche
Vorwände liefern.

Nein zu Staat und Nationalismus
Nein zu Autorität
Nein zu religiöser Macht
Nein zum parlamentarischen System
Nein zur Herrschaft der Milizen
Nein zu politischen Parteien und Kapitalismus
Ja zu Selbstorgansiation und Selbstbestimmung

Kurdischsprachiges Anarchistisches Forum (KAF)
22.01.2018

Rojava – Interview zu einem Experiment in libertärer Selbstverwaltung

Rojava – Interview zu einem Experiment in libertärer Selbstverwaltung

Wir präsentieren euch ein Interview mit einer Aktivistin der Gruppe Karakök Autonome über den demokratischen Konföderalismus in Kurdistan. Wir sprechen über die Theorie und die praktische Umsetzung des Konzepts, das eine Form gesellschaftlicher Selbstverwaltung darstellt und auf anarchistischen Ansätzen aufbaut. Die interviewte Person war vor Ort und teilt ihre direkten Erfahrungen mit. Weiterhin sprachen wir über die Notwendigkeit und Möglichkeiten direkter solidarischer Hilfe für die Menschen in Rojava.

Länge: 57:12 min

Den zugehörigen Audiobeitrag könnt ihr ab sofort hier herunterladen: archive.org (mp3 | ogg).

Isyan! Devrim! Anarsi! – Aufruhr! Revolution! Anarchie! —- ?

Isyan! Devrim! Anarsi! – Aufruhr! Revolution! Anarchie! —- ?

Rojava ist ein autonom verwaltetes Gebiet (ehemals zu Syrien
gehörend), welches durch kurdische Freiheitskämpfer_innen im November
2013 befreit wurde. Die Bevölkerung besteht aus 2.5 Millionen Menschen. Die Verwaltung aller Alltagsstrukturen (z.B. Schulen, Bäckereien,  Kliniken, Tankstellen) findet auf basisdemokratischer Ebene statt. Eine zentralistische Regierung gibt es nicht.

Alle in der Region lebenden Menschen, unabhängig von Ethnie, Religion oder Sprache, sind im Volksrat vertreten. Entscheidungen  werden hierdurch selbstbestimmt und von unten gefällt. Es besteht eine  Frauenquote von 40% in allen Verwaltungen. Das ist nicht nur im Nahen  Osten einzigartig. Zusätzlich organisieren sich Frauen in autonomen Strukturen. Es gibt Frauenzentren, in denen Selbstorganisierung und Empowerment stattfindet. Die Strukturen orientieren sich deutlich an anarchistischen Ideen, so flossen in der konkreten Umsetzung des Projektes Ideen von Bakunin, Kropotkin, aber auch Zerzan ein.

Rojava ist eine sichere Insel für alle Ethnien oder Minderheiten, die  in der Region unterdrückt oder verfolgt werden – Araber, Sunniten, Armenier,  Assyrer, Aleviten, Yeziden,  darunter z.B. auch christliche Minderheiten. Ebenfalls setzt sich die  Region gegen die  Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen ein. Erklärtes Ziel ist  der Aufbau einer  rätedemokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten  Gesellschaft. Das Projekt ist  als solches einzigartig auf der Welt und die Region gilt als eines der  sichersten Gebiete  in Syrien – auch, weil sie bewaffnet gegen aussen verteidigt wird.

Angriff von allen Seiten

In der aktuellen Situation ist Rojava von allen Seiten bedroht.  Einerseits von der ISIS,  welcher Rojava ein Dorn im Auge ist. Andererseits vom Assad-Regime und der türkischen  Regierung, welche das autonome Rojava angreifen. Unter diesen  Bedingungen zu bestehen, ist  nicht leicht.

Umgebende Regierungen kontrollieren die Grenzen und verhindern Import  wie Export. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Versorgung, Unterkünften. Die Stromversorgung wurde durch die ISIS gekappt, damit ist auch die Wasserversorgung  zusammengebrochen. Grenzdörfer von Rojava werden durch die ISIS angegriffen, so erfolgte  letzte Woche der Angriff auf Kobane, wobei 300 Kämpfer_innen, welche das Gebiet verteidigen, ums Leben kamen. Rojava ist als autonomes, basisdemokratisches Projekt akut bedroht und damit alle Menschen, die hier Zuflucht und Hoffnung gefunden habe. Die Menschen leiden Hunger, sind obdachlos oder sterben durch Krankheit und bewaffnete Angriffe.

Wie können wir Rojava unterstützen?

Am wichtigsten ist es, über das Projekt zu berichten, die Informationen zu streuen, denn  in europäischen Medien ist kaum etwas zum Thema zu lesen. Berichtet über Rojava in eurem Umfeld, auf euren Websiten und Blogs. Macht Aktionen oder Kampagnen. Regelmässige Infos auf Englisch findet ihr in der Online-Zeitung ,,Firatnews” –

http://en.firatajans.com
(oder indem ihr uns kontaktiert). Ganz konkret fehlt es auch an Geld  für Lebensmittel, Kleidung, Unterkunft, Medikamente. Beiträge an folgendes Konto  gelangen direkt an die Bevölkerung:

Heyva Sor A Kurdistane Schweiz,
Zürich Kontonummer: 80-017192-8
Zahlungsweg: Stop Isis

Zeigen wir der Bevölkerung von Rojava, dass sie nicht alleine ist und sorgen wir dafür,  dass dieses einzigartige Gebiet weiter bestehen kann!

Karakök Autonome

Soziale Kampfbaustelle Köln 12.-17.9.2014

Soziale Kampfbaustelle Köln 12.-17.9.2014

ئوردووی خەباتی کۆمەڵایەتیی لە شاری کۆڵن/ ئاڵمانیا ١٢-١٧ی سێپتەمبەری ٢٠١٤

اردوی مبارزەای اجتماعی در شهر کلن آلمان ١٢-١٧. سیپتمبر ٢٠١٤

مخیم النضال الاجتماعي في مدینة کولن ألمانیا ١٢-١٧ ایلول ٢٠١٤

Sonntag 14.9.

12 Uhr Organisatorisches Plenum soziale Kampfbaustelle

14 Uhr Nachbarschaftsfest mit Umsonst-Flohmarkt und Kinderprogramm

15 Uhr Vorbereitungstreffen: Unterstützungsaktion für die neu gegründete Gewerkschaft zu Arbeitsbedingungen im Knast

16 Uhr Info-Treffen der sozialen Kampfbaustelle

18 Uhr A offene Diskussion zusammen mit der Gruppe “Kein Mensch ist Illegal” zum Thema: Krieg, Rassismus und Solidarität

18 Uhr B Vorbereitungstreffen für eine “Umsonstladen-Aktion” zu den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie

Montag 15.9.

9 Uhr Start Jobcenter-Aktionstag Treffpunkt auf dem Camp

20 Uhr offene Diskussion “Wem gehört die Stadt?”- Entmietung, Verdrängung und Widerstand in Köln

Dienstag 16.9.

13 Uhr Überraschungs-Aktion Startpunkt: auf dem Camp

Mittwoch 17.9.

11 Uhr Aktion zu Arbeitsbedingungen im Knast – Startpunkt: auf dem Camp

14 Uhr Abbau des Camps

Es gibt jeden Abend um 19 Uhr ein offenes Abendessen für alle!

http://wohnraumfueralle.noblogs.org/2014/08/20/soziale-kampfbaustelle-koeln-12-17-9-2014

http://de.indeed.com/Jobs?q=Sozial&l=K%C3%B6ln&matchtype=b&network=s&device=c&devicemodel=&creative=31036055532&keyword=%2Bsozial%20%2Bk%C3%B6ln&placement=&param1=&param2=&random=12251947762660947854&aceid=&adposition=1t3&gclid=CMLspq773sACFUjHtAodtW0ASg

http://wohnraumfueralle.noblogs.org/2014/08/20/soziale-kampfbaustelle-koeln-12-17-9-2014/

http://www.paltalk.com/g2/paltalk/1347958751 /

 Aktion F  Aktiom K Aktion KLAktion DSKB_plakat-gratis-flohmarkt

Freiheit für Anarchist_innen in Istanbul! Aktionstag 12.6.!!

anarchists_turkey

Freiheit für die inhaftierten Anarchist_innen in Istanbul!
Internationaler Solidaritäts-Aktionstag am 12. Juni 2012

 

Am 14. Mai wurden 60 Menschen wegen ihrer Beteiligung an der 1. Mai-Parade in Istanbul festgenommen und ihre Wohnungen durchsucht. Ihnen wird “Sachbeschädigung öffentlichen Eigentums im Namen einer terroristischen Organisation” vorgeworfen, weil bei der genannten Parade einige Banken beschädigt wurden. Neun von ihnen befinden sich nach wie vor in Haft. Ein LBGT-Mensch (lesbian-bisexual-gay-trans) unter ihnen, wurde mit hate-speech belästigt.
9 Aktivist_innen sind weiterhin inhaftiert. Mit der Androhung von 15-20 Jahren Haft wurde manchen der neun in den ersten Tagen, in denen jeglicher Kontakt zu ihren Familien, Freund_innen und Anwält_innen verwehrt wurde, ein Geständnis zur Rädelsführerschaft in einer terroristischen Organisation abgepresst. Angesichts der Organisation aller Betroffenen in anarchistischen Zusammenhängen unterschiedlichster Spektren, von Tierbefreiung bis zu Menschenrecht, Umweltschutz und LBGT, ist dies ein geradezu absurder Vorwurf.
Es ist das erste Mal in der Türkei, dass der Vorwurf der Terroristischen Organisation auch gegen Menschen des anarchistischen Spektrums, der Tierrechts- und der Umweltschutzbewegung angewendet wird. Gegen kurdische Gruppen und andere Linke hat dieser Vorwurf leider schon eine lange Tradition.

Auch deswegen muss den Repressionsorganen gezeigt werden, dass die Inhaftierten nicht isoliert sind, sondern, dass sie eine breite, internationale Bewegung hinter sich wissen, die die Verteidigung des Lebens und der Würde von Menschen und Tieren wichtiger ist, als ein paar Fensterscheiben. In einem offenen Brief äussern sich die neun Gefangenen erstmals (http://www.ainfos.ca/en/ainfos26423.html) und die Organisation Yeryüzüne Özgürlük Derneği (Freedom to Earth Association) ruft zur internationalen Solidarität auf (http://de.indymedia.org/2012/05/330671.shtml).

Am 12. Juni werden in vielen Ländern der Welt Menschen vor türkischen Botschaften demonstrieren um ihre Solidarität mit den Inhaftierten auszudrücken und ihre Freilassung fordern. Organisiert eure eigene Aktion in eurer Stadt (http://www.mfa.gov.tr/turkish-representations.en.mfa)! Lasst die Gefangenen nicht allein!

Unterstützt die türkischen Aktivist_innen und fordert ihre sofortige Freilassung!

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Repressionswelle gegen Anarchist_innen in Istanbul

Repressionswelle gegen Anarchist_innen in Istanbul

Anfang der Woche gab es einen heftigen Repressionschlag gegen Anarchist_innen in Istanbul, ihnen wird die Beteiligung an den Riots am 1. Mai vorgeworfen. Hierzu einen Text übernommen von noprisonnostate.blogsport.de und die Ankündigung für eine solidarische Kundgebung am 18. Mai vor der türkischen Botschaft in Berlin. Infos auf englischer Sprache auch auf libcom.org. Weiteres in den nächsten Tagen…

Am 14.05 gab es eine Polizei-Operation gegen Anarchist_innen in Istanbul. Mehr als 60 Gefährt_innen wurden festgenommen, denen vorgeworfen wird an den 1. Mai Riots beteiligt gewesen zu sein, bei dem der anarchistische Block Banken, Geschäfte und Institutionen angriff.
 anarchist archives project
Um 6:00 Uhr morgens griffen schwer bewaffnete Spezial-Einheiten der Polizei die Räume verschiedener anarchistischer Gruppen und Initiativen an. Die Gruppe „Revolutionary Anarchist Action“ (DAF) berichtete, dass sich die Menschen in einem der gestürmten Gebäude in Kadıköy (ein Stadtteil von Istanbul) gegen den Angiff gewehrt haben. Bis jetzt haben Anwälte nicht mal die Namen aller Festgenommenen. In der Türkei ist es gängige Praxis das Festgenommene zum Teil für Jahre ohne Prozess oder ähnliches im Knast sitzen.

Wir sind weder empört noch geschockt von diesem Angriff. Da wo wir den Staat und das System bekämpfen wird mit aller Härte zurückgeschlagen.
 Es ist nötig unseren Gefährt_innen in der Türkei unsere aktive Solidarität zu zeigen und sie in diesem Moment nicht alleine zu lassen.

Für den Aufstand für die Anarchie!

Anarchist_innen in Solidarität

Am 14. Mai kam es in Istanbul zu mehreren Hausdurchsuchungen in Privatwohnungen, Sozialen Centern, Kollektiven, sowie in diesem Zusammenhang zu der Festnahme von 60 Aktivist_innen. Die Repressionen stehen in Zusammenhang mit Aktionen vom 1. Mai in Istanbul und einer nun bekannt gewordenen 1-jährigen Überwachung der Sozialen Bewegungen. Die überwachten Aktivist_innen engagierten sich in antisexistischen, antihomophoben, tierbefreierischen und anderen sozialen Zusammenhängen. Aus Solidarität wird es eine Kundgebung vor der Türkischen Botschaft geben.

Freiheit für alle Gefangenen!

Ort: Türkische Botschaft, Rungestr. 9 (Nähe U-Bhf. Heinrich-Heine-Str., S-Bhf. Jannowitzbrücke)

http://anarsistfaaliyet.org/sokak/devrimci-anarsist-faaliyete-polis-baskini/
Anarchist Black Cross Berlin : http://www.abc-berlin.net/repressionswelle-gegen-anarchist_innen-in-istanbul

Istanbul: May day : http://vimeo.com/41606943